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Lesen hilft: Bücher für den Wandel vom Opfer zum Gestalter deines Lebens

 

Es gab immer wieder Zeiten in meinem Leben, in denen ich einen Perspektivenwechsel gut gebrauchen konnte. Anlässe dafür sind so vielseitig wie die Menschen selbst. Ich glaube, wir kennen alle dieses Gefühlder eingeschränkten (Selbst-)Wahrnehmung, der Leere und Orientierungslosigkeit. Ich habe dieses Gefühl ganz extrem nach meiner Krebsdiagnose gespürt, aber auch als die Primär-Therapie beendet war und ich wieder ins normale Leben starten wollte.

 

 

Nach der Brustkrebs-Diagnose kreisten unweigerlich die folgenden Gedanken in meinem Kopf: „Warum ich? Kann ich jemals wieder glücklich sein? Überlebe ich das? Was passiert in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren mit mir? Was passiert mit meiner Familie? Schaffe ich das? War es das jetzt? Habe ich schon alles erlebt, was ich erleben wollte?“ Den Weg aus diesem Gedanken-Karussell habe ich allein nur bedingt geschafft. Was mir immer geholfen hat, ist Lesen. Lesen bringt mich in eine andere Welt und zeigt mir Perspektiven auf, die eigentlich außerhalb meiner eigenen Gedankenwelt liegen.

 

Natürlich habe ich nach der Diagnose unglaublich viele Informationstexte zum Thema Brustkrebs gelesen und Ratgeber, wie man die Therapie und die Krankheit möglichst gut übersteht. Ich glaube, dass diese Bücher mir auf einer speziellen Ebene auch geholfen haben, denn Informationen bedeuten immer auch ein Stück Sicherheit. Dennoch würde ich das alles heute nicht mehr (so intensiv) lesen, sondern mehr auf den persönlichen Kontakt mit den Onkologen bauen. Aus den Büchern bekommt man auch viele Informationen, die man eigentlich nicht braucht oder einen im schlimmsten Fall noch weiter beunruhigen. Ein Arzt punktet da einfach durch individuelle Beratung und, im besten Fall, Empathie.

 

 

Deshalb möchte ich den Fokus heute eher auf Bücher legen, die dir helfen können, deine Perspektive auf bestimmte Probleme, Lebensbereiche und Krisen, wie zum Beispiel eine schwere Krankheit oder den Verlust eines geliebten Menschen, zu verändern. Ich sage nicht, dass du damit von todtraurig zu überglücklich wirst, nur indem du ein paar Zeilen liest – es geht mir mehr um das Anregen eigener Gedanken zu dir und deiner Situation. Deswegen sind meine Buchempfehlungen generell für alle Lebenssituationen, in denen dir eine Motivation zum anders denken hilft. Das kann auch ein Jobwechsel, ein Streit mit einem Freund oder Kollegen, die Angst eine falsche Entscheidung zu treffen oder wie auch immer geartete Hilflosigkeit sein. Denn das Einnehmen der Opferrolle bringt dich kein Stück weiter - im Gegenteil: es kostet so viel Energie, die du eigentlich bräuchtest um dich aus dieser Rolle zu befreien und das Ruder wieder zu übernehmen.

 

 

 

Hier kommen meine Top 3 Leseempfehlungen für den Weg raus aus der Opferrolle, rein ins Leben:

 

 

     Brüste umständehalber abzugeben – Nicole Staudinger

 

Okay, das erste Buch ist nun gleich sehr brustkrebs-spezifisch, zumindest auf den ersten Blick. Ich empfehle es aber nicht nur für Brustkrebs-Patientinnen sondern auch für deren Angehörige, Freunde und Bekannte. Außerdem gibt es auch für andere Erkrankte einen ganz speziellen Blick auf die Krankheit und das Leben. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr mir dieses Buch weitergeholfen hat. Es hat mich zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken und zum Schreien gebracht – und das alles innerhalb weniger Minuten – immer wieder im Wechsel. Es hat mir gezeigt, wie man diese Krankheit mit Humor und einem gewissen Funken Optimismus meistert. Es hat mir aber auch gezeigt, dass ich mit den Tiefpunkten in der Therapie nicht alleine bin. Nicole hat einfach eine unglaublich erfrischende Art zu schreiben und schafft es mir voll und ganz aus dem Herzen zu sprechen. Sie gibt dem Leser eine der wichtigsten Sachen zu Beginn der Therapie: Das Gefühl, dass man nicht allein ist, dass es Menschen gibt, die genauso verzweifelt waren und es geschafft haben, sich aus diesem Loch und aus der Krankheit zu befreien. Zum Inhalt halte ich mich hier eher zurück, den könnt ihr auf den einschlägigen Seiten der Buchhändler oder Nicoles Webseite schnell und besser nachlesen, als ich es hier beschreiben würde.

 

Ich empfehle dieses Buch wirklich uneingeschränkt jedem und finde es sollte für alle Krebspatienten zur Pflichtlektüre gehören.

 

 

 

 

 

2.       Das Café am Rande der Welt – John Strelecky

 

Dieses Buch habe ich auf diesem Blog schon mehrmals erwähnt und auch alle meine Freunde wurden schon mit dieser Empfehlung überrannt. Der Grund ist simpel: Dieses Buch hat mir den Impuls gegeben, mein Leben nach meinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen und nicht nach den Erwartungen anderer Menschen auszurichten – kurz: mein Leben zu verändern. Der Inhalt hat grundsätzlich nichts mit einer spezifischen Krankheit zu tun. Es geht vielmehr um die großen Fragen des Lebens: „Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Füllst du ein erfülltes Leben?“ Es fiel mir in einer Zeit in die Hände, in der die Chemotherapie und erste OP vorbei war und ich mich während der Reha mit massiven Ängsten konfrontiert sah. Dabei ging es vor allem um die Angst, dass der Krebs wiederkommt, ich sterbe, mein Leben nicht mehr leben kann und meine Kinder nicht aufwachsen sehe. Ein Aha-Moment des Buches war dann, dass ich verstanden habe, dass ich nur solche Angst vor dem Tod habe, weil ich Angst habe, etwas zu verpassen. Etwas zu verpassen, dass ich später noch irgendwann machen will. Der Schlüssel zur Milderung dieser Angst ist recht einfach: Ich muss „einfach“ jeden Tag das tun, was meiner Persönlichkeit und meinen Wünschen entspricht. Also, meine Herzenswünsche nicht auf später verschieben, sondern gleich erfüllen oder in den Job integrieren. Diese Erkenntnis hat mein Leben komplett verändert und ich habe daraufhin beschlossen, meinem beruflichen Leben eine komplett neue Richtung zu geben. Dazu später mehr auf diesem Blog.

Fazit: Absolute Leseempfehlung für jeden! Uneingeschränkt. Perspektivenwechsel garantiert – und das Ganze verpackt in einer tollen Geschichte, ganz ohne den erhobenen Zeigefinger.

 

 

 

 

 

3.       Die Hütte: Ein Wochenende mit Gott – William Paul Young

 

Zu guter Letzt ein Buch, dass ich mir niemals gekauft hätte. Es wurde mir von einer Freundin geschenkt und lag dann erst einmal eine Weile daheim rum, bis ich Wochen später das Gefühl hatte, mal kurz reinlesen zu sollen. Ich habe dann einfach nicht mehr aufgehört und hatte es nach 2 Tagen durchgelesen. Der Titel hat mich zunächst abgeschreckt, muss ich ehrlich sagen. Zum Hintergrund: ich bin konfessionslos aufgewachsen und bei uns wurde Gott immer mit der Kirche als Institution gleichgesetzt und beides brauchte man irgendwie nicht. Soweit zu meinem Weltbild bis dahin. „Ein Wochenende mit Gott“ fand ich da als Titel schon ziemlich abgefahren. Das Buch hat dann mein Weltbild etwas erschüttert und meine Perspektive auf Gott und den Zusammenhang mit meinem Leben grundlegend verändert. Auch hier werde ich die inhaltliche Zusammenfassung aussparen, die gibt es bereits genug und damit gebe ich euch keinen Mehrwert. Was viel wichtiger ist, dass dieses Buch, egal, ob man an Gott glaubt oder nicht, ganz unweigerlich dazu führt, dass man zentrale Glaubenssätze seines Lebens hinterfragt. Das kann zu ganz unterschiedlichen Schlüssen führen, keine dieser Schlussfolgerungen ist gut oder schlecht oder richtig oder falsch – ich finde nur wichtig, dass dieses Hinterfragen passiert. Denn allzu oft richtet man sich in seinem Alltag mit seinen einmal gelernten Glaubenssätzen ganz bequem ein und bleibt irgendwie stecken. Alles ist dann grau, irgendwie leer und geschieht einfach nebenbei. Das ist nicht das Leben was ich möchte. Ich möchte mich hinterfragen, meinen Glauben hinterfragen, meinen Verstand hinterfragen, ja, mein Leben hinterfragen. Ich möchte neue Antworten finden, neue Wege ausprobieren, um diese dann wieder zu hinterfragen.(Und so weiter - ich glaube, ihr habt das Prinzip verstanden.)

 

Und genau dabei hilft dieses Buch perfekt – eingepackt in eine berührende Geschichte, die mich immer wieder zum Weinen gebracht hat. Absolut empfehlenswert.

 

 

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich euch die eine oder andere Anregung geben konnte. Ich bin gespannt auf euer Feedback und auch über ergänzende Empfehlungen entweder auf diesem Blog oder auf Facebook oder Instagram – immer her damit.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Francesca (Samstag, 21 Juli 2018 12:36)

    Danke für die Empfehlung "Wochenende mit Gott". Das hört sich wunderbar und nach viel Arbeit an sich selbst an� ich werde es mir schnell bestellen!