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Diagnose Krebs - Erste Hilfe für deine Seele.

Egal wie dein Leben bisher war, egal wie der Krebs in dein Leben getreten ist, egal wie einfühlsam dein Arzt auch ist - die Diagnose Brustkrebs ist ein Schock, ein Trauma und etwas, was dich ab sofort immer begleiten wird.

 

Ich schreibe diesen Blogbeitrag für alle Mitstreiterinnen, die diesen Schock gerade hinter sich haben oder noch mitten drin stecken. Ich schreibe ihn auch für Angehörige, Partner, Freunde und Kinder, die auch unter Schock stehen, sich aber nicht trauen, zu fragen wie es der Betroffenen geht, um sie nicht noch weiter zu belasten. Ich möchte euch ein paar meiner Gedanken für die Zeit direkt nach der Diagnose mitgeben. Keine ärztlichen Ratschläge, keine wissenschaftlichen Abhandlungen, keine Prognosen und Wahrscheinlichkeiten. Nein, ich möchte etwas mit euch teilen, was ich selbst in der Zeit der Diagnose und Therapie vermisst habe - ein erste Hilfe Paket für die Seele. Ich möchte damit niemanden des Versäumnisses anklagen. In der Zeit nach der Erstdiagnose sind nun mal alle Beteiligten damit beschäftigt, deinen Körper vom Krebs zu befreien. Das hat oberste Priorität und ist auch gut so. Aber vielleicht kann ich mit diesen Zeilen dazu beitragen, dass du auch dein Herz und deine Seele schützen und heilen kannst.


Wenn bei dir gerade Krebs diagnostiziert wurde, bist du wahrscheinlich gerade damit beschäftigt, dich über alle möglichen Therapieformen und Nebenwirkungen, über Ärzte und Kliniken und über Heilungschancen zu informieren. Und das alles nebenbei. Deine Hauptaufgabe ist gerade nicht durchzudrehen. Vielleicht kannst du noch nicht mit jemandem darüber reden, vielleicht liest du einfach so viel wie du kannst. Das ist gut. Informationen geben vielen Menschen Sicherheit. Aber wenn du irgendwann (oder jetzt) das Gefühl hast, du kannst keine medizinischen Informationen mehr aufnehmen, lies diesen Blogbeitrag. Und gib mir gern Feedback.

Hier meine Top 5 Tipps für dein Herz und deine Seele:

1) Vertrau deiner Intuition. Das ist der übergeordnete Tipp für alles. Was auch immer jetzt kommen mag, es wird viel mit medizinischen Fachbegriffen, Zahlen, Medikamenten und Ärzten zu tun haben. Die moderne Medizin macht vieles möglich - Gott sei Dank. Doch bitte vertraue auch in diesen Extremsituation auf dein Herz. Oder deine Intuition. Oder deine Seele. Wie auch immer du das gern nennst. Wenn dir etwas komisch vorkommt, wenn du ein ungutes Gefühl hast oder Zweifel - äußere sie. Egal ob du sie logisch begründen kannst oder nicht. Du hast eine eingebaute Sicherheitskontrolle - nutze sie, vertraue ihr.

2) Lies positive Geschichten und Bücher. Es gibt jede Menge Material zum Thema Brustkrebs. Du wirst einiges davon lesen müssen. Bei dem Rest überlege dir genau, was du liest. Es gibt tolle Geschichten von Frauen, die den Krebs überlebt haben - lies diese und fühle ihre Energie durch die geschriebenen Zeilen. Ich habe kurz nach der Diagnose ein sehr gutes Buch gelesen, was aber kein glückliches Ende für die Betroffene hatte. Das war gar nicht gut und hat auch nichts mit Realismus zu tun sondern mit Qual. Nur, weil du positive Geschichten liest, heißt das nicht, dass du die Augen vor den Fakten verschließt. Es gibt deiner Seele lediglich die Chance, sich positiv auszurichten und alle Schalter auf "Heilung" umzulegen.

3) Entspann dich beim Thema Essen und Bewegung. Es gibt inzwischen einige Studien, die belegen, dass die Nebenwirkungen einer Chemotherapie und die Rezidiv-Wahrscheinlichkeit durch eine gesunde, fleischarme Ernährung und ausreichend Bewegung vermindert werden. Daran glaube auch ich. Also iss möglichst gesund und bewege dich wenn es geht. Aber: Es wird Tage geben, da geht das nicht. Bitte habe dann kein schlechtes Gewissen - das ist okay so. Dein Körper braucht auch Ruhetage. Und wenn du Appetit auf Pommes statt auf Brokkoli hast - iss sie, genieß sie ohne schlechtes Gewissen. Ein Arzt hat mal zu mir gesagt, als mich das Thema Essen während der Chemo gerade sehr gestresst hat: "Bitte essen Sie während der Therapie einfach das, was geht und drinnen bleibt. Es bringt gar nicht wenn Sie sich in den paar Monaten dazu zwingen, täglich Brokkoli zu essen und dafür den Rest Ihres Lebens nie wieder Brokkoli essen weil Sie sich den Appetit darauf verdorben haben. Diese Therapie ist ein Ausnahmezustand. Sehen Sie das auch so und starten Sie danach mit dem gesunden Lebensstil." Das hat mich sehr entspannt.

4) Nimm dir Zeit für dich. Ohne Begründung. Bitte hab kein schlechtes Gewissen, wenn du jetzt ganz viel Zeit für dich brauchst. Diese Zeit ist extrem wichtig und wird dir die Kraft geben, um die Therapie durchzustehen. Du brauchst dich bei niemandem, wirklich niemandem dafür rechtfertigen. Wenn du Kinder hast, frag deinen Mann oder die Großeltern ob sie mal übernehmen können. Gönn dir eine Putzfrau. Engagier einen Hundesitter. Oder nutze einfach die Zeit, die du sowieso hast, für dich. Mache dann in dieser Zeit worauf auch immer du Lust hast. Meditiere. Schreibe. Gehe spazieren. Schaue einen Film. Lass dir nicht von irgendjemandem einreden, dass es jetzt Dinge gibt, die du tun solltest und Dinge die du lassen solltest. Entscheide für dich. Im Zweifel: Horch in dich hinein und frage dein Herz.

5) Schreie. Weine. Sei wütend. All das ist normal. Lass es raus. Es wäre super, wenn beim wütend sein nichts kaputt geht - muss aber nicht. Du wirst in den nächsten Monaten so stark sein. Du wirst Dinge überstehen, die du nie für möglich gehalten hast. All dies geschieht durch die Energie, die du in dir hast. Glaub mir. Aber ab und zu oder öfter, wird diese Energie dich auch zum Wahnsinn treiben und sich ganz und gar nicht positiv anfühlen. Das ist wichtig. Denn schreien und weinen löst emotionale Blockaden und klart den Blick für den richtigen Weg. Und der geht da lang, wo wir trotz Schreien und Weinen nicht aufgeben.

 

 

Zusatztipp für die Zeit der Diagnose, aber auch für die ganze Therapie:
Schaffe Erinnerungen. Ich weiß, im Moment kannst du dir sicher nicht vorstellen, dass du dich irgendwann an genau den jetzigen Augenblick erinnern möchtest - aber das wird passieren. Und gerade weil in der nächsten Zeit so viel passieren wird, werden einige Sachen verblassen. Und diese Sachen möchte vielleicht irgendwann irgendjemand wissen. Vielleicht bist dieser irgendjemand irgendwann du. Vielleicht sind es deine Kinder, dein Mann, deine Familie und Freunde. Vielleicht sind es auch irgendwann andere Betroffene, die wissen wollen, wie man diese Zeit übersteht. Also bitte: Kreiere in irgendeiner Art Erinnerungen. Du kannst schreiben, du kannst Filmen, du kannst Fotos machen oder machen lassen. Ich wurde von einer Mitstreiterin auf die Idee gebracht, Portrait-Aufnahmen machen zu lassen. Zuerst konnte ich mit der Idee gar nichts anfangen, doch irgendetwas in mir (Seele?) hat positiv reagiert. Und nachdem die Fotos relativ lange im Schrank in einer Kiste lagen, bin ich heute froh, dass sie da sind. Denn sie zeigen einen wichtigen Teil meines Lebens.

Ich würde mich freuen, wenn ich einigen von euch in dieser schlimmen Situation ein paar Anregungen geben konnte, die helfen, dass ihr nicht ganz verrückt werdet. Bitte schreibt mir euer Feedback, eure Erfahrungen und gerne auch weitere Tipps.

 


Und jetzt wiederholt nach mir: Ich bin viel, viel stärker als das!!!
(Wirklich wiederholen. Jetzt. Und ja, bitte laut. Und mindestens 3x.)

 


Ich bin im Herzen bei euch,
eure Vic

 

 

 

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