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5 Dinge, die mir niemand über die Yogalehrer-Ausbildung verraten hat

 

 

Überlegst du gerade, ob  du eine Yogalehrer-Ausbildung machen sollst? Weißt du noch nicht genau, was das beste Modell für dich ist? Willst du wissen, was in dieser Ausbildung passiert – mal abgesehen von den Inhalten, die vorher schon bekannt sind?

 

Wenn das so ist, möchte ich dir heute meine ganz persönlichen Erfahrungen vom Jivamukti Yoga Teacher Training in Indien berichten. Dieser Bericht soll kein Vergleich zu anderen Ausbildungen sein, dafür habe ich gar nicht die Expertise. Es soll auch keine Werbung sein. Es soll dir einfach nur ein Gefühl dafür geben, ob dieses Modell der Ausbildung im Allgemeinen und das Jivamukti Training im Speziellen, etwas für dich sein könnten. Und wie so oft auf meinem Blog möchte ich versuchen, nicht nur über Fakten zu schreiben sondern dich bestmöglich dahin zu bringen, in dich herein zu fühlen, um dort die Antworten auf deine Fragen zu finden.

 

 

Damit du dir deine eigene Meinung bilden kannst, stelle ich aber wenigstens einige grobe Informationen zu der Ausbildung voran. Denn sonst wird es eventuell schwierig, einige meiner Aussagen nachzuvollziehen. Ich habe mich für eine 4-wöchige Intensiv-Yogalehrer-Ausbildung in Indien entschieden. Insgesamt wurden 300 Stunden Inhalt vermittelt, einige davon bereits vorher im Rahmen von zu erfüllenden Voraussetzungen. Ich bin allein geflogen, ohne Mann und Kinder. Vor Ort waren wir dann rund 75 Schüler und 5 Ausbilder. Gelehrt wurde so ziemlich alles, was zum Yoga gehört: neben Asana und Mediation auch sehr viel Philosophie, Singen, Atemübungen, Reinigungsmethoden, praktische Aspekte des Unterrichtens, usw.

 

 

Ich nehme dich also heute mit auf meine Reise nach Indien. Ich verrate dir Dinge, die mir vor dem Training niemand gesagt hatte, ja, niemand sagen konnte, weil sie ganz individuell sind. Und doch gibt es große Übereinstimmungen zwischen den Erfahrungen, die wir als Schüler auf dem Weg zum Yogalehrer machen durften. Lehn dich zurück, entspann dich und lass die Worte einfach auf dich wirken.

 

 

 

Hier für dich meine Top 5 Erfahrungen jenseits der offiziellen, inhaltlichen Beschreibungen:

 

1) Man kann mit wildfremden Menschen nach weniger als 5 Minuten total berührende und tiefgreifende Gespräche führen.

 

Wir kennen das alle.  Man lernt einen neuen Menschen kennen, sei es bei der Arbeit, beim Sport oder auf einer Party. Zunächst geht es oft darum, was man beruflich macht, was man studiert oder gelernt hat. Je nach äußeren Umständen gibt es dann noch etwas Small Talk, man ist höflich und verabschiedet sich wieder. Wenn man die Person gegenüber irgendwie mag, trifft man sich wieder. Nach Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren kommt man mit dieser Person vielleicht an den Punkt, sich über Dinge auszutauschen, die einige Ebenen tiefer liegen. Damit meine ich Sachen wie: wie es uns wirklich geht, was uns glücklich macht, was uns traurig macht, wovor wir Angst haben, was wir vom Leben und von uns selbst erwarten, …. In manchen Beziehungen kommt es auch nie zu einem solchen Austausch. Und das ist weder gut noch schlecht.

 

Wenn ihr euch für ein solch intensives Training entscheidet, wie ich es getan habe, dann ist dieser tiefgreifende Austausch zu diesen Fragen des Lebens so gut wie sicher. Verschiedene Lebenskonzepte, Religionen und Weltanschauungen werden nicht nur in den Vorlesungen sondern auch beim Essen, in den Pausen oder am Pool diskutiert. Jeder ist schon in einem anderen, sagen wir, Modus, wenn er sich für 4 Wochen aus dem Alltag rausnimmt, um an einer solch intensiven Ausbildung teilzunehmen. Dadurch kommt es ab Tag 1 zu unglaublich tiefen Gesprächen. Die Unterhaltungen und ja, auch Diskussionen, stellen das eigene Weltbild immer wieder auf die Probe. Sie haben mich dazu gebracht, einfach mal alles in Frage zu stellen. Sie haben bei den meisten dazu geführt, einfach sie selbst zu sein, sich zu öffnen, ohne die Angst von irgendjemandem für das verurteilt zu werden, was sie sagen. Und das wiederum führt zu einer tiefen Verbundenheit, zu einem unbeschreiblichen Gruppengefühl und Freundschaften fürs Leben.

 

Also sei bereit, dein Herz zu öffnen, deine Seele auszuschütten und dafür bedingungslos geliebt zu werden. Und hey, einen netten Nebeneffekt nehme ich auch gern mit: ich habe nun viele Übernachtungsmöglichkeiten auf der ganzen Welt.

 

 

2) Auch wenn diese Ausbildung genau das ist, was man will, ist man zwischendurch total überfordert und verwirrt.

 

Die Jivamukti Ausbildung geht insgesamt 4 Wochen. Nach diesen 4 Wochen hat man eine 300 Stunden Zertifizierung. Von diesen Stunden sind ca. 60 Stunden vor dem Training zu leisten, um die Voraussetzungen zu erfüllen. Egal, wie viel man also vorher so macht, es bleiben vor Ort immer noch 240 Stunden. Wer damit jetzt noch nichts anfangen kann, teile bitte 240 Stunden durch 4 Wochen und staune dann über das Wochenpensum. Ja, richtig, es sind ungefähr 60 Stunden in der Woche. Das ist viel. Sehr viel. Und es ist unglaublich, was man in 4 Wochen alles lernen kann. Man taucht ein in diese verrückte Yoga-Welt und lernt ständig mit allen Sinnen. Man ist von morgens bis abends damit beschäftigt, neue Informationen zu hören, zu verstehen, zu verdauen, zu diskutieren und anzunehmen. Das ist wahnsinnig cool. Aber auch wahnsinnig anstrengend. Was mir hier unglaublich geholfen hat, war der fixe Stundenplan, den wir alle zu Beginn der Ausbildung bekommen haben. Der Tag war absolut durchstrukturiert und ließ keine Möglichkeit, etwas nicht zu tun, wenn die Motivation mal nicht so groß war. Dieser Stundenplan hat mich dann auch durch die 2-3 Tage in der Mitte gebracht, in denen ich dachte, dass ich absolut nichts mehr aufnehmen kann. Diese Überforderung ist ganz normal, alle haben sie mal zwischendurch und bei allen ging es ziemlich schnell vorbei. Nur, ist es vielleicht gut, das vorher zu wissen, um sich keine falschen Hoffnungen auf 4 Wochen Dauergrinsen zu machen. Das wird nicht passieren und das ist auch gut so, denn diesen Totpunkt zu überwinden ist ein wichtiger Teil des eigenen Transformationsprozesses.

 

 

 

 

 

3) Es ist möglich in 4 Wochen nicht nur zu lernen, wie man anderen Menschen beibringt auf dem Kopf zu stehen, sondern auch die eigene Art zu denken komplett zu ändern.

 

Ich habe mal gehört, dass im Alter von 35 Jahren rund 95 % der eigenen Denkmuster automatisiert sind. Wir spulen dann in jeder Situation unsere gelernten Muster ab, reagieren immer gleich und wundern uns, dass andere Menschen tatsächlich anders denken. Auch wenn ich noch keine 35 bin, bin ich doch ziemlich nah dran und finde diese Vorstellung etwas beängstigend. Ich habe keine Lust irgendwann als sturer Zombie durch die Welt zu gehen. Umso erfreulicher war es für mich, was dort in Indien passiert ist. Es hat sich in meinem Denken, Handeln und Fühlen so viel getan. Es hat meinen Horizont erweitert. Es hat mein Weltbild verändert. Und das zum Glück zum Positiven. Ich kann dir gar nicht genau sagen, woran das lag. Persönliche Transformation ist nur möglich, wenn man in einem entspannten Zustand ist. Das ist wissenschaftlich belegt. Denn nur, wenn dein Gehirn in einer bestimmten Frequenz schwingt (Ja, auch dein Gehirn schwingt und das hat nichts mit dem übermäßigen Konsum von Gin Tonic zu tun.), könnten in ihm neue Verknüpfungen gebildet werden. Unter Stress ist das schier unmöglich und wäre evolutionstechnisch auch ganz schöner Quark. Wenn der Säbelzahntiger hinter dir steht, sollten deine Gehirnprozesse möglichst automatisiert sein, sonst gibt es dieses Gehirn bald nicht mehr. Aber zurück zum Thema. Ich glaube, dass das Gesamtpaket des Jivamukti Teacher Trainings absolut so angelegt ist, den eigenen Transformationsprozess zu unterstützen. Einige dieser Dinge, die sicher einen verändernden Aspekt hatten waren: 4 Wochen intensiv an einem kraftvollen Ort, Eintauchen in einen vollkommenen yogischen Lebensstil (tägliches, intensives Üben, veganes Essen, Reinigungsübungen für Körper und Geist,…), viele philosophische Vorlesungen und Diskussionen, Meditation, gemeinsames Singen, … Ich weiß gar nicht wo ich aufhören soll. Am besten jetzt. Die Stimmung vor Ort war auf jeden Fall so magisch, dass sie bei jedem etwas bewirkt hat. Und bei nicht wenigen war das eine grundlegende Transformation ihrer Denk- und Lebensweise. Nicht mehr und nicht weniger.

 

 

 4)  Wir tragen alles, was wir brauchen um glücklich zu sein, bereits in uns.

 

Indien ist ja bekanntlich nicht das wohlhabendste Land und nicht das angenehmste Pflaster für sensible Menschen. Zugegeben, wir hatten die Indien-light Erfahrung, da wir uns vier Wochen nur in einem Ashram bewegt haben. Aber auch dort haben die Menschen nicht viel, im westlichen Sinne. Das Leben ist einfach, es gibt keinen Luxus, keine Einkaufszentren, keine Fernseher. Es gibt oft kein warmes Wasser, Stromausfälle passieren so oft, dass man sich wundert, wenn der Strom eine Stunde lang mal nicht weg ist, in den Zimmern gibt es ein Bett, einen Schreibtisch und einen Schrank. Mehr nicht. Und dennoch, oder vielleicht deswegen, habe ich noch nie in meinem Leben Menschen getroffen, die so ausgeglichen, freundlich und vor allem zufrieden waren, wie die Menschen, die dort leben. Es gibt dort einige Mönche, die ein erfolgreiches Leben geführt haben, die Uni-Abschlüsse haben, die viel Geld besaßen – und die das alles aufgegeben haben, um in Indien in einem Ashram zu leben. Und sie bereuen es nicht. Sie haben sich gelöst von der Vorstellung, dass uns externe Faktoren zu innerem Frieden bringen können. Sie wissen, dass wir den Schlüssel zu einem erfüllten und zufriedenen Leben alle in uns tragen. Und das strahlen sie aus. Jeden Tag. 24 Stunden. Egal ob sie beten, tanzen, die Kühe bürsten oder an der Essensausgabe stehen. Die Ausstrahlung hat mich immer wieder aufs Neue überwältigt. Zusammen mit den philosophischen Anregungen aus dem Teacher Training führten diese Menschen bei mir zu einer ganz neuen Art über mich nachzudenken. Und das heißt jetzt nicht, dass ich in ein Kloster gehe und allem Konsum den Rücken kehre oder dass ich sage, dass diese Mönche den einzig richtigen Weg gehen. Es heißt nur, dass ich bei manchen alltäglichen, kleinen Entscheidungen an die Magie denke, die diese Menschen ganz ohne Konsum in sich tragen.

 

 

  5) Demut hat nichts mit Schwäche zu tun.

 

Viele Menschen, denen ich erzählt habe, dass ich für eine Yoga Ausbildung nach Indien fahre, waren zunächst skeptisch. Ich würde mich da auch nicht komplett ausschließen. Es kamen oft Fragen nach Gurus – ob es die denn dort gäbe und was die von den Teilnehmern verlangen. Meine mich und die Außenwelt schützende Antwort war dann, dass ich mit diesem ganzen Guru-Gehabe sowieso nichts anfangen kann und versuchen werde, das auszublenden und an mir vorbei fließen zu lassen. Puh, alle beruhigt, sie dreht nicht komplett durch und wirft sich einem Guru zu Füßen.

 

Aber: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Warum hatte ich so ein ungutes Gefühl bei dem Wort Guru? An was habe ich gedacht? Vor was hatte ich Angst? Fakt ist, dass ich so gut wie gar nichts über irgendeinen Guru wusste. Unkenntnis ist ja bekanntlich ein Busenkumpel der Angst. Also ab nach Indien. Und dann hieß es erstmal an den Grundlagen arbeiten. Denn nur durch Wissen versetzen wir uns in die Lage, eine Entscheidung für oder gegen etwas zu treffen. Die notwendigen Antworten wurden uns vor Ort in den Vorlesungen gegeben. Guru bedeutet übersetzt einfach nur: Zerstreuer der Dunkelheit. Die Inder sehen einen Guru in jedem, der irgendwie Licht ins Dunkel bringt, der einem hilft, manche Dinge bewusst zu sehen und zu verstehen. Sie sehen also jeden Lehrer als Guru – angefangen von der Mutter als erstem großem Lehrer bis hin zu einer Person, die einen total aufregt. Denn all diese Personen in deinem Leben helfen dir etwas zu verstehen. Vielleicht würde es uns im Westen leichter fallen von Lehrern statt Gurus zu sprechen. Und manche Lehrer wissen halt besonders viel und führen viele Menschen zu Aha-Momenten. Diese Gurus werden dann verehrt, angebetet, ihnen wird unendlich oft und viel gedankt. Und dann beginnt der Verstand zu rebellieren: “Wie können die sich denn diesem einen Guru zu Füßen werfen? Was ist, wenn er seine Macht ausnutzt? Haben die denn gar keine Selbstachtung?“ Und da sind wir genau beim Punkt: Ich glaube, dass man jemandem auch dienen und ihn ehren kann, wenn man absolut kein Problem mit seinem eigenen Selbstwert hat. Wenn man weiß, dass man die gleiche wertvolle und starke Person bleibt, auch wenn man sich vor jemandem anders verbeugt. (Das heißt nicht, dass es nicht auch schwarze Schafe unter den Gurus gibt, die die eher schwachen Personen anziehen und diese Schwäche ausnutzen. Doch in welchem Status / Job / Gesellschaftsschicht gibt es keine schwarzen Schafe?)

Man kann den Akt des Verbeugens auch als Akt des Dankes dafür sehen, dass dieser Lehrer einen auf einem Teil des eigenen Weges unterstützt hat. Und daran ist nichts Verwerfliches, nichts Bedürftiges, nichts Opferndes. Das habe ich erst in Indien verstanden. Und am Ende der Ausbildung habe ich mich zu Füßen all meiner Lehrer dort lange verneigt. Dadurch bin ich nicht kleiner geworden, sondern gewachsen.

 

 

Bonus-Punkt: Auch Yogis sind nur Menschen. Wenn auch keine normalen.

 

Kommen wir als Bonuspunkt zu der Gesellschaft vor Ort. Wie bei Punkt 1 bereits geschrieben, habe ich selten so schnell so viele tolle Leute kennen gelernt. Und wenn es einen ganz wichtigen Punkt gibt, den wir vor Ort gelernt haben, dann ist es, dass in jedem Menschen etwas Heiliges steckt. In wirklich jedem. Davon bin ich überzeugt. Jedoch ist das Erkennen dieses göttlichen Funkes ein Lernprozess und alle Yogis sind auch ihr ganzes Leben lang Schüler.

 

Das bedeutet, dass bei einer Gruppe von rund 75 Teilnehmern halt auch welche dabei sind, mit denen ich nicht unbedingt viel Zeit verbringen wollte. Das bedeutet auch, dass wir uns mal angezickt und angemault haben. Das bedeutet auch, dass wir nicht immer alles nachvollziehen konnten, was die anderen gemacht oder gesagt haben. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass alle Yogis voll erleuchtete Wesen sind und sich ständig lächelnd in den Armen liegen. Falls es sowas gibt, hätte ich eher bewusstseinserweiternde Substanzen im Verdacht. Also, alle vor Ort waren auch nur Menschen, haben sich geliebt, gehasst oder auch mal ignoriert. Was jedoch den Unterschied gemacht hat, war wie mit all diesen Situationen umgegangen wurde. Yogis sind zwar auch nur Menschen, aber halt keine von der normalen Sorte. Deswegen gab es kein übereinander Herziehen, kein Lästern, kein Schuld Suchen im Außen, sondern eher ein Reflektieren und Kommunizieren. Ziemlich besonders und ziemlich cool war das.

 

 

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Text einige Eindrücke vermitteln, was meine Yogalehrer-Ausbildung mit mir gemacht hat und warum. Ich würde die Entscheidung, für diese Art von Training 4 Wochen nach Indien zu fliegen, immer noch genauso treffen. Diese Ausbildung hat mich und mein Leben grundlegend verändert.

 

Falls ihr Lust auf ein paar mehr Fakten zu dieser Ausbildung habt, schaut gern hier: bit.ly/jivamuktiteachertraining

 

Ich freue mich auf eure Anmerkungen, Fragen und Meinungen – wie immer auf allen Kanälen.

 

 

Namaste,

 

eure Vic

 

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