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Lesen bewegt: „Lieder von morgen“ - Leseempfehlung


“Es stimmt, dass viele sagen, dass nicht alle Träume wahr werden, aber wir können dafür sorgen, dass wir ihnen folgen und ihnen eine Chance geben.“


Heute schreibe ich euch aus dem Urlaub, denn ich habe gerade das Buch zu Ende gelesen, aus dem das oben stehende Zitat stammt. Es hat mich so bewegt, dass ich meine Gedanken dazu gern mit euch teilen möchte.


Als ich das Buch „Lieder von Morgen“ von Rune L. Green bekam, steckte ich gerade noch in den Endzügen meiner Therapie. So nahm ich das Buch zum ersten Mal in die Hand, als ich mal wieder im Wartebereich der onkologischen Tagesklinik saß. Viele Stunden habe ich dort verbracht, viele Bücher und Texte gelesen. Als ich jedoch begann, dieses Buch zu lesen, fiel mir das Lesen unglaublich schwer. Ich weiß nicht genau, woran es lag, aber ich konnte meine Konzentration einfach nicht bei dem Text halten. Auch kurze Pausen und der Versuch, den Beginn des Buches querzulesen, halfen nicht. Ich legte es zur Seite - wohlwissend, dass der Grund für diesen gescheiterten Versuch nicht beim Text selbst, sondern bei mir lag. 


Es folgten Wochen und Monate, in denen ich kaum gelesen habe. Ich spürte innerlich, dass „Lieder von morgen“ das nächste Buch sein würde, das ich lesen werde. Ich spürte aber auch, dass die Zeit noch nicht reif war. 


Mein Kindle verstaubte etwas, bis ich ihn in den Urlaubskoffer packte. Normalerweise finde ich im Urlaub nicht mehr so viel Zeit zum Lesen. Alle Eltern von kleinen Kindern können das wahrscheinlich nachvollziehen. Trotzdem kam der E-Reader mit. Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn brauchen werde. Im Urlaub begann ich am Strand zu lesen und es kam mir vor, als hätte ich bei dem ersten Versuch im Krankenhaus ein anderes Buch in den Händen gehalten. Auf einmal konnte ich mich nicht mehr vom Text abwenden. Jede freie Minute und jeden Abend, wenn die Kinder schliefen, wendete ich mich den Zeilen zu und tauchte ein in die Welt der Hauptfigur Lenia. Sobald ich wenige Worte gelesen hatte, umhüllten mich die Sätze vollkommen.


Der Beginn des Buches erinnerte mich an einige bereits gelesene Bücher und geschaute Filme. Der eigensinnige, verschlossene und irgendwie leicht arrogante Gitarrenlehrer muss zu einer Schülerin, weil er das Geld für diesen Job braucht. Er trifft auf eine aufgeschlossene, fröhliche Person, die ihn schnell an seine selbst errichteten Grenzen bringt. Doch diese Geschichte ist dann doch etwas anders. Denn diese lebensfrohe Schülerin namens Lenia ist an einer unheilbaren Form des Krebses erkrankt. Mehr will ich zum Inhalt gar nicht schreiben, denn ich will euch die Möglichkeit lassen, die Geschichte selbst zu lesen.


Vielmehr möchte ich mit euch teilen, was ich beim Lesen der Kapitel gefühlt habe. Was die Worte mit mir gemacht haben. Als ehemalige Krebspatientin konnte ich sofort in die Geschichte eintauchen. Die Autorin hat es geschafft eine ganze Bandbreite von Gefühlen in eine tolle und herzliche Fassung zu bringen. So ist es trotz einer gewissen Melancholie doch ein Buch, was mich immer wieder zum Lachen gebracht hat. 

Es werden Situationen beschrieben, die ich nur allzu gut kenne. Doch die Gefühle, die ich dabei hatte, könnte ich nie so gut artikulieren, wie es dieses Buch geschafft hat. Es traf mich bei so vielen Abschnitten mitten ins Herz. Es bringt die Gefühle vor, während und nach einer Chemotherapie so genau auf den Punkt, dass es sich beim Lesen angefühlt hat, als hätte die Autorin direkt in meinen Kopf geschaut. Und auch subtile Gefühle werden intensiv beschrieben und lassen den Leser immer wieder mitfühlen. Egal ob Traurigkeit, Wut, Verzweiflung, Optimismus, Galgenhumor oder Mut - jede Facette überträgt sich beim Lesen von den Hauptfiguren auf den Leser. Ich fand es schier unglaublich, wie sehr mich dieses Buch gefesselt hat, wie sehr es mich mit in die Szenen genommen und mitfühlen lassen hat. 


Dabei wurden auch Ängste an die Oberfläche geholt, die ich im Alltag gern zur Seite schiebe. Denn auch, wenn ich nach der Erkrankung vieles aufgearbeitet habe, bleibt doch immer eine gewisse Angst. Manchmal ist sie ganz subtil, manchmal werde ich so stark davon ergriffen, dass es körperlich schmerzt. Und so habe ich auch beim Lesen so manche Träne vergossen. Denn daran erinnert zu werde , dass der Krebs nicht berechenbar ist und sich immer wieder aus den Ecken schleicht, in denen er sich Monate oder Jahre versteckt, ist hart. Gerade, wenn man dabei seine beiden kleinen Kinder beim Spielen im Sand beobachtet und so lange wie möglich bei Ihnen bleiben möchte.


Doch am Ende lehrt mich dieses Buch vor allem eins: Lebensfreude. In jedem einzelnen Moment. Denn wir wissen alle nicht, wie lange wir auf dieser Erde sein dürfen. Also lasst uns einfach jeden Moment genießen. Lasst uns verrückt sein und unvernünftig. Lasst uns Umwege nehmen. Lasst uns kindisch sein. Lasst uns tun, was wir lieben. Lasst uns lieben.


Wenn euch mein Lesebericht neugierig gemacht hat, kann ich euch „Lieder von morgen“ nur wärmstens empfehlen.


Abschließend schicke ich noch ein warmes und herzliches Danke an die Autorin Rune L. Green, die mir  ihr bewegendes Buch zur Rezension zur Verfügung gestellt hat. Sie hat coolerweise gerade einen Verlag gefunden und das Buch wird bald überall erhältlich sein. Für alle Informationen zur Autorin und der Veröffentlichung des Buches könnt ihr Rune auf Facebook folgen: https://www.facebook.com/runelgreen/



Viel Spaß beim Lesen,

Eure Vic 


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