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Krebs kämpft dreckig – das können wir auch.

 

Auf der Suche nach Hindernisläufen, die wir im  nächsten Jahr machen könnten, saß ich mit meinem Mann auf dem Sofa. Er lachte plötzlich los und zeigte mir den Eintrag in der Liste: „Muddy Angel Run“. Ich musste auch schmunzeln. Die Bilder, die mir sofort in den Kopf schossen, konnte ich nicht wegschieben. Schlammkämpfe mit Frauen in engen Klamotten? Das gab es doch schon mal. Nach kurzem Ausschmücken unserer Gedanken wurde das Thema wieder abgehakt. Ich wollte ein „richtiges“ Hindernisrennen – was auch immer das bedeutet.

 

Von muddy angels und strong angels

Doch im Frühjahr dieses Jahres stieß ich auf einen Instagram-Post von Brustkrebs Deutschland e.V., in dem sie sich für die Spenden des Teams vom Muddy Angel Run aus dem Jahr 2017 bedankten. Mein Interesse war geweckt, denn als Betroffene finde ich jedes Engagement, was Brustkrebs aus der Nische holt und zum Thema für die breite Masse macht, toll. Also habe ich Brustkrebs Deutschland und Muddy Angel Run kontaktiert, um zu erfahren, wie die Unterstützung aussieht. Neben dem durch die Veranstaltungen angeregten Austausch, geht ein fixer Betrag des Ticketpreises und der verkauften Merchandise-Artikel direkt an Brustkrebs Deutschland. Der Verein kann mit diesem Geld einen Teil ihrer Arbeit finanzieren und so Gutes im Bereich der Aufklärung, Vorsorge und der Betreuung von betroffenen Frauen tun. Das hat mich dann überzeugt. Als supercoole Geste gibt es bei jedem Lauf einige kostenlose Startplätze für Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind oder waren. So einen „strong angel“ Startplatz habe ich dann noch für das Rennen in Stadtoldendorf, mitten in Deutschland, bekommen. An dieser Stelle schon mal ein großes Danke dafür.

 

die vorbereitungen

Nach der Anmeldung ist vor dem Rennen. Nachdem ich derzeit ziemlich mit meiner weiterführenden Yogalehrer-Ausbildung beschäftigt bin, war meine Vorbereitungszeit für dieses Rennen eher eingeschränkt. Aber da ich sportlich ganz gut auf der Höhe bin, war ich trotzdem entspannt. Ich habe mich dann eher darauf konzentriert, mir die coolen Videos der vergangenen Rennen anzuschauen. Das ist nämlich viel spaßiger als selbst zu laufen. Als ich diese Filmchen gesehen habe, habe ich auch beschlossen, diesen Artikel zu schreiben und meinen Mann gebeten, das Rennen zu dokumentieren, damit ich euch auch ein paar matschige Einblicke geben kann. Das war es dann auch schon mit der Vorbereitung. 

 

allein laufen oder im Team?

Ein Blick auf die Webseite des Muddy Angel Runs und die Videos verrät ziemlich schnell, dass dieser Lauf eigentlich ein Team-Lauf ist. Ob Freunde, Familie oder Kolleginnen, viele starten zusammen. Es gibt Team-Shirts, Hosen, Röcke, Strümpfe oder auch Einhorn-Hörner. Nicht selten starten diese Teams für eine Betroffene. Doch ich hatte mich nun allein angemeldet. Das war zunächst ein mulmiges Gefühl. Irgendwie fühlte ich mich unwohl damit, dass dort nur ausgelassene Gruppen starten und ich allein bin. Ich startete allerhand Bemühungen, um doch noch jemanden davon zu überzeugen, mich zu begleiten. Doch niemand hatte Zeit oder war in der Nähe. Dann sollte es wohl so sein. Ich fand mich damit ab und vertraute auf viele liebe Mädels, die bei Bedarf auch Nicht-Teammitgliedern helfen. Das war eigentlich auch gleich in kostenloser Kurs ein persönlicher Weiterentwicklung. Denn so war ich gezwungen, fremde Menschen nach Hilfe zu fragen. Das ist normalerweise deutlich außerhalb meiner Komfortzone und nicht so mein Ding. Doch dieses Überwinden und mein Vertrauen hat sich gelohnt und die Erwartungen wurden sogar übertroffen.

 

Das Rennen: Mach dich dreckig.

Also ging es bei strahlendem Sonnenschein am Sonntag um 7 Uhr morgens auf nach Stadtoldendorf. Im Gepäck ein paar Laufsachen, die Kamera und mein Mann. Die Anmeldung verlief reibungslos und nach einem kurzen WarmUp ging es auch schon los. Ich startete relativ vorne in meiner Startwelle, da ich es mag, wenn ich nach vorne etwas sehe und nicht alles von Menschen verdeckt ist. Vor mir war nach dem ersten Hindernis, einem hüfttiefen Wasserbecken, nur eine gut gelaunte und motivierte 4er Gruppe. Als wir bei Hindernis 3 ankamen, war dies auch das erste, was nur in der Gruppe bewältigt werden konnte. Und nach kurzer Nachfrage, habe ich mich den 4en auch gleich angeschlossen. Weiter ging es dann leicht bergauf, in der Sonne. Das war auch der Moment, in dem ich mir gewünscht habe, ich hätte mich doch etwas besser vorbereitet. Denn ich war ganz schön außer Puste. Der Wald mit seinem Schatten rettete mich.

Auf der anderen Seite des Berges wurde es ziemlich schlammig. Mehrere Hindernisse warteten darauf, uns so richtig dreckig zu machen. Begleitet wurde all das von den Motivationsrufen der zahlreich anwesenden Zuschauer – viele Ehemänner und Kinder der laufenden Frauen würde ich sagen. Es kamen noch einige Hindernisse bei denen Teamarbeit gefragt war. Doch ich hatte auch als Single-Starterin überhaupt kein Problem Hilfe zu bekommen. Man hat während des gesamten Laufes gemerkt, dass hier Spaß und Zusammenhalt im Vordergrund stehen. So viel gelacht habe ich selten während eines Laufes.

So verlief der Großteil der Strecke wirklich kurzweilig. Hinter jeder Ecke gab es etwas Neues zu entdecken, die Strecke durch den Wald war wunderschön und die ganzen tollen Teamoutfits gab es ja auch noch zu bestaunen. Nur die letzten 1,5 km haben sich dann etwas gezogen. Als wir wieder aus dem Wald kamen, konnte man das Ziel schon sehen. Die zwei großen zu laufenden Schleifen, die man bewältigen musste, um es zu erreichen, waren gefühlt sehr sehr lang. Im Ziel erwarteten uns dann aber schon das alkoholfreie Bier und ein Riegel, so dass wir schnell wieder Energie tanken konnten. Ich war trotzdem ziemlich k.o., aber sehr sehr glücklich. Das Publikum am Ziel und die Musik steuerten ihr Übriges bei zum „runners high“. (Das reimt sich  - wie cool.)

 

Fazit

Diese Laufserie ist wirklich ein Erlebnis. Die Atmosphäre ist komplett anders als bei normalen Läufen. Es liegt so viel positive Energie, Liebe und ein riesengroßes Gemeinschaftsgefühl in der Luft, dass sich alle Frauen sofort wohl fühlen. Es gibt kein Bewerten, keine komischen Blicke – es gibt nur eine geile gemeinsame Zeit für den guten Zweck. Also wenn mal ein Lauf bei euch in der Nähe ist, schaut hin – es lohnt sich.

 

 

Und zum Schluss noch ein persönliches Anliegen von mir und ich denke auch vom Team des Muddy Angel Runs und Brustkrebs Deutschland: Mädels, bitte tastet eure Brüste regelmäßig ab, lasst euch vom Frauenarzt zeigen wie es geht und geht zur Vorsorge!!! Wie in meinem Fall auch, kann das euer Leben retten!!!

 

 

 

Fühlt euch umarmt,

 

eure Vic

 

 

 

P.S. Dieser Beitrag ist ganz offiziell nicht bezahlte Werbung, da ich den Veranstalter verlinke. Ich bedanke mich an dieser Stelle für den kostenloses Startplatz und den lieben Kontakt des Teams von Muddy Angel Deutschland und Brustkrebs Deutschland e.V..

 

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