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Was pinke Schuhe und Brustkrebs miteinander zu tun haben...

Quelle: pink shoe day
Quelle: pink shoe day

Als ich die Diagnose Brustkrebs erhalten habe, ist mein bisheriges Ich gestorben. Es hat einfach aufgehört zu existieren und ich wusste nicht, ob es ein neues Ich geben wird. Neben diesem Schock machte sich ganz schnell das Gefühl der Hilflosigkeit breit. Eine Hilflosigkeit in einer Intensität, wie ich sie bis dahin noch nie erlebt hatte. Diesen Schock und die Hilflosigkeit wollte ich meinen Mitmenschen ersparen. Ich hatte tatsächlich Angst davor und ein schlechtes Gewissen, den Menschen von dieser Diagnose zu erzählen. Warum war das so?

Ich glaube, dass das unter anderem daran lag, dass das Thema Krebs immernoch taburisiert wird. Niemand redet darüber, solange es nicht eine Person im direkten Umfeld betrifft. Es ist fast so, als hätte man Angst, den Krebs heraufzubeschwören, wenn man über ihn redet. Ich finde, das muss dringend geändert werden. Genau dafür gibt es inzwischen zahlreiche Aktionen in Deutschland.

 

Eine der coolsten Events findet am Wochenende in Leipzig statt: der pink shoe day.

Da ich leider nicht persönlich anwesend sein kann, habe ich ein persönliche Videobotschaft aufgenommen - ein virtueller pink shoe sozusagen. Ich findet sie am Ende dieses Beitrages.

 

Zusätzlich hatte ich die Gelegenheit, mit Dr. med. Luisa Mantovani Löffler zu sprechen, Vorsitzende des Haus Leben e.V. und des Pink Shoe Days. Dabei herausgekommen ist ein tolles Interview, in dem man schon beim Lesen merkt, wie viel Herz und Leidenschaft in dieser Veranstaltung steckt.

 

Aber lest selbst:

Interview mit Dr. med. Luisa Mantovani Löffler, Vorsitzende des Pink Shoe Days

1) Was ist der "pink shoe day" und wie kam es dazu?

 

Krebs ist ein Tabuthema, das kaum in der Öffentlichkeit angesprochen wird. Der Bedarf, dieses Thema offen und vielseitig anzusprechen, ist enorm und wird unterschätzt. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland mehr als 75.000 Frauen an Brustkrebs. In den letzten 30 Jahren hat sich somit die Erkrankungsrate verdoppelt, und die Tendenz ist noch immer steigend.

Wenn die betroffenen Frauen ihre Diagnose erhalten, ist jede vierte von ihnen jünger als 55 Jahre und sogar jede zehnte jünger als 45 Jahre. Diese Zahlen schockieren. Zeigen sie doch, dass jede Stunde acht Frauen mit einer Diagnose konfrontiert werden, die ihr Leben von einer Sekunde auf die nächste komplett auf den Kopf stellt. Auch mich könnte es eines Tages treffen oder Sie, liebe Leserin. Ein jeder kennt mindestens eine Frau, die von Brustkrebs betroffen war oder ist. Und doch wird das Thema totgeschwiegen. Dabei ist Brustkrebs die häufigste Todesursache bei Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren.

Hauptsächliches Anliegen dieser Initiative ist es, den Brustkrebs vom Deckmantel des Tabus zu befreien und offen zur Sprache zu bringen. Denn nur informierte Aufmerksamkeit kann die oft verdrängte Angst, selbst zu erkranken, besiegen und so auch die Heilungschancen im Falle einer Erkrankung erhöhen.

Doch warum Schuhe, warum pink und warum Oktober? – Der Oktober wurde von mehreren Krebsstiftungen zum Brustkrebsmonat ernannt, um das Bewusstsein dafür in der Öffentlichkeit zu stärken. Pink ist eine Farbe, die die Aufmerksamkeit unweigerlich auf sich zieht. Und für viele Frauen stellen Schuhe eine echte Leidenschaft dar. Alles zusammen sprach für den PINK SHOE DAY im Oktober.

 

Quelle: pink shoe day
Quelle: pink shoe day

2) Warum wird eurer Meinung nach das Thema "Brustkrebs" immer noch taburisiert obwohl es so viele Frauen betrifft?

 

Aus Scham oder aus Angst. Angst kombiniert mit weinigen oder gar keinen Informationen über Risiken und Chancen. Risikofaktoren sind bekannt – aber man kann sich zum Teil schützen.

Diesem Schweigen will der Haus Leben e. V. aus Leipzig die Stirn bieten. Information, Vorbeugung und Früherkennung – das sind starke Mittel gegen den Krebs, egal welcher Art. Die Heilungsrate liegt bei kleinen Tumoren in frühen Erkrankungsstadien heute bei über 90 Prozent.

Das alles möchten wir den Frauen mitteilen. Wir müssen aber hohe Hemmschwellen überwinden.

 

 

3) Wie kann man eure Arbeit unterstützen, auch wenn man keine pinken Schuhe hat?

 

Darüber reden. Andere Frauen, vor allem junge Frauen, informieren und für das Projekt gewinnen. Wir freuen uns auch über kleine Spenden. Jeder kann zudem am 29. September auf den Augustusplatz in Leipzig kommen und bei der Durchführung mithelfen.

 

Quelle: pink shoe day
Quelle: pink shoe day

4) Was ist euer Tipp für betroffene Frauen, um trotz Krankheit, die Lebensfreude nicht zu verlieren bzw. wieder zu finden?

 

Allgemeine Tipps gibt es nicht; wir brauchen Einrichtungen wie unser Haus leben Leipzig, wo Patienten verschiedene Möglichkeiten erfahren können und selbst „ausprobieren“ können, welche Aktivität am besten hilft (Kunst, Musik, Kochkurse, Bewegung, usw.)

Wichtig ist auch ein professionelles interdisziplinäres Team als Begleitung. Ziel ist, die traumatisierten Patienten aus deren Isolation raus zu holen. Die Tumorpatienten und deren Angehörige erleben eine sehr traumatische Erfahrung mit der Diagnosestellung. Die Krebsdiagnose wirft den Menschen in vieler Hinsicht aus dessen Lebensbahn: persönlich, familiär, beruflich, physisch, seelisch.

Die Krankheit bricht gewaltsam ins Leben ein, unterbricht die Alltäglichkeit und verursacht eine tiefe Unsicherheit und Machtlosigkeit vor den Ereignissen. Es kommt zum Gefühl von Hilflosigkeit und zu einer existentiellen Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses. Das Entscheidende ist der Verlust der Sicherheit und die Unterbrechung des Kontaktes zu anderen. Es herrscht Angst zu leiden und zu sterben, schmerzhafte emotionale Taubheit, allgemeiner Rückzug, Interessensverlust, innere Teilnahmslosigkeit.

Wir helfen Patienten dabei, eine emotionale Stabilisierung zu erreichen, eine Kommunikation und Kontaktmöglichkeiten wieder herzustellen, eine (Re-) Integration, eine Aktivierung eigener Ressourcen durch Mobilisierung der Selbstheilungskräfte zu erreichen.

 

Quelle: pink shoe day
Quelle: pink shoe day

5) Was geht euch so richtig zu Herzen?

 

Jeder Patienten ist eine fachliche und menschliche Herausforderung für das onkologisches Team und damit meine ich aber auch für das Pflegepersonal. Jeden Tag kämpfen wir zusammen mit unseren Patienten. Jeden Tag versuchen eine ganzheitliche Betretung anzubieten.

Besonders schwer ist, wenn wir alleinerziehende Mütter begleiten, die es bereits vor der Krebsdiagnose sehr schwer hatten und neben ihrer persönlichen Sorge, auch große Angst haben für die Kinder - vor allem wenn kleine Kinder da sind. Deshalb haben wir ein spezielles Angebot für Kinder von krebskranken Eltern entwickelt: das Friesennest.

 

 

6) Wenn ihr der Nachwelt nur einen einzigen Satz hinterlassen könntet, welcher wäre das?

 

If you can dream it, you can do it (Enzo Ferrari) , Dies Zitat hat viele von meiner Handlunge geleitet; die Welt braucht Menschen, die daran glauben, das Träumen wahr werden können. Ich träume von eine Welt ohne Krebs und ich arbeite jeden Tag daran.

 


Wenn ihr mehr über den pink shoe day erfahren wollt, schaut gern hier: https://www.pink-shoe-day.de/


Meine persönliche Videobotschaft zum pink shoe day

Ich freue mich wie immer über Eure Kommentare hier auf dem Blog und auf Facebook / Instagram. Und noch mehr freue ich mich, wenn Ihr den pink shoe day auf irgendeine Weise unterstützt.

 

Fühlt euch umarmt,

Eure Vic

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