· 

Liebesbrief an die Wut

Liebe Wut,

 

in diesem Brief möchte ich ganz ehrlich zu dir sein. Ich habe dich über Jahre, ja Jahrzehnte verteufelt. Ich habe Menschen verurteilt, die ihre Wut offen zeigen. Ich habe Menschen verurteilt, bei denen ich gespürt habe, das sie dich unterdrücken, aber in sich tragen. Ich dachte, dass Wut ein Zeichen von mentaler Schwäche ist, ja von mangelnder Intelligenz.

 

Was ich dabei übersehen habe: Du, liebe Wut, bist auch in mir. Doch ich war die Meisterin im Deckeln, Unterdrücken und Vertuschen. Ich und Wut? Das passt einfach nicht zusammen. Vielleicht bin ich ab und zu mal ärgerlich. Aber wütend bestimmt nicht. Ich habe dich so unterdrückt, dass ich tatsächlich dachte, es gäbe dich gar nicht in mir. Doch du warst immer da. Und mit jedem Mal, dass ich den aufkommenden Ärger weg geschoben habe, habe ich dir noch mehr Energie gegeben. Du bist tief in mir gewachsen, ganz still und heimlich. Du wusstest, dass eines Tages ein Moment kommen würde, an dem du nach oben an die Oberfläche kommst. 

Das Wut-Monster im eigenen Keller

 

Ab und zu hast du schon angeklopft. Als wärst du ein Wut-Monster in meinem Keller, in den ich niemals hineingehe. Du wohnst dort unten und ich habe die Tür von außen gut verriegelt. Ein Schloß nach dem anderen. Wenn dir dort unten sehr langweilig war, hast du von innen an die Tür geklopft. Du wolltest wahrscheinlich zeigen, dass du noch da bist. Lass mich 2 dieser Situationen schildern, denn diese waren schon wichtige Hinweise auf die Ursache deiner Existenz und somit auch auf deine Heilung.

 

Das erste Mal, dass ich mich daran erinnern kann, in meinem Erwachsenenleben tatsächlich richtig wütend gewesen zu sein, war, als meine kleine Cousine tödlich verunglückt ist. Von einem Tag auf den anderen war sie weg. Ich war unglaublich traurig und gleichzeitig immer wieder so wütend. Wütend auf sie, weil sie nicht mehr da war. Wütend auf das Universum, weil es so etwas zulässt. Wütend auf mich, weil ich nichts tun konnte. Wütend auf das Leben, weil es mich und die liebsten Menschen in meinem Leben so hilflos gemacht hat. Aber ich wusste nicht wohin mit dir, liebe Wut. Ich fand Wut in diesem Moment der Trauer einfach nicht angemessen und habe dich unterdrückt und noch einen Riegel mehr an der Kellertür angebracht. 

 

Das zweite Mal, dass du ganz laut angeklopft hast, war nach meiner Krebsdiagnose. Klar, alle Gefühle spielten verrückt. Immer wieder war ich unendlich wütend. Wütend auf diesen Krebs, der mir mein altes Leben zerstört hat. Wütend auf das Universum, dass es so etwas überhaupt gibt. Wütend auf mich, weil ich ja irgendetwas falsch gemacht haben musste, damit es so weit kommt. Wütend auf das Leben, weil es mich so hilflos macht und mich an diese Krankheit ausliefert. Die Parallelen dieser beiden Situationen in Bezug auf die Urteile auf mich und anderen, die mit der Wut einhergingen, konnte ich in diesem Moment noch nicht sehen. Jetzt finde ich sie gravierend. Damals habe ich dich jedoch wieder unterdrückt, ich wollte dich und den Schmerz, der mit dir verbunden ist nicht spüren.

 

 

die Wut nach hause holen

Wie du vielleicht weißt begann ich nach der überstandenen Krankheit, mich intensiv mit mir und meiner inneren Welt zu befassen. Ich deckte dann über die Mediationen mit der Seelenhaus Methode auf, wie groß du, liebe Wut, in meinem Keller geworden bist und wie sehr ich dich unterdrückt habe. Über ein übersteigertes Harmonie-Bemühen habe ich versucht dich zu kompensieren. Ich habe so viel Energie darauf verwendet, jegliche Konflikte zu vermeiden, damit ich nicht mit Wut von mir oder anderen konfrontiert werde. Doch nach und nach näherte ich mich dir an. Ich begriff, dass du mir etwas sagen willst. 

 

Ich möchte dass jetzt nicht als rosaroten Weg der Erkenntnis darstellen, wie es in manchen spirituellen Kreisen gern getan wird. Mich mit meiner Wut zu beschäftigen, sie zu erkennen und mich ihr zu öffnen war und ist oft unbequem. Um wieder das Bild von dem Wut-Monster im Keller zu nutzen: Ich habe nach und nach die ganzen Schlösser an der Kellertür entfernt. Dafür musste ich Ängste auflösen, von denen ich bis dahin noch nicht einmal wusste, dass ich sie hatte. Da gab es die Angst vor sozialer Abgrenzung und Versagensangst, um nur die stärksten zu nennen. Und was passiert, wenn die Riegel vor der Tür weg sind? Richtig, das Wutmonster ist immer noch groß und stark und kommt dann auf einmal ungehindert in mein Leben. Auf einmal gab es Situationen, in denen ich jemanden angefahren und angeschrien habe. Es gab Situationen, in denen ich so wütend war, dass ich meine Kinder am liebsten auf den Balkon gesperrt hätte. Für mich als bis dahin harmoniesüchtiger Mensch war das der Super-GAU. Ich war verwirrt, denn ich wollte die Wut ja heilen und nicht heraufbeschwören. Wenn ich sagen würde, dass dieser Prozess bequem war, würde ich lügen.

 

Doch um dich, liebe Wut, zu heilen, war es wichtig, dich zu spüren. Mit deiner ganzen Gewalt und Kraft. Es war außerdem wichtig, die eigene Schuldanklage zu heilen, die auftrat, wenn mich die Wut überkommen hatte. Allein dadurch, dass ich dich in mein Leben ließ, hast du schon etwas von deiner Ladung verloren. Der nächste Schritt zur Heilung war dann, dich wirklich wahrzunehmen und bewusst zu fühlen. Ich bin über die Seelenhaus Meditationen in einen ganz engen Kontakt mit dir gegangen, um herauszufinden, was du brauchst, damit du nicht mehr so unberechenbar bist. Ich habe dich sozusagen freiwillig aus dem Keller in meine Wohnung eingeladen, dir einen Tee gekocht und dich gefragt, wonach du dich so sehr sehnst. Wie so viele Persönlichkeitsanteile, die ich irgendwann mal abgespalten habe, brauchst du Liebe. Diese Liebe konnte ich dir dann über die Bilder in der Mediation und im Rahmen von Aufstellungen geben. In dem ich dich, liebe Wut, als Teil von mir akzeptiert habe und dich mit dem versorgt habe, was du brauchst, kam der große Wandel.

 

das Geschenk unter der Wut

 Du hast über die ganzen Jahre etwas in dir versteckt. Du warst der Hüter einer meiner größten Gaben. Welche Gabe das ist? Den Hinweis bekam ich schon über den Auslöser der Wut in meinem Leben. Du warst immer dann so stark, wenn ich mich komplett hilflos gefühlt habe. Du warst da, wenn ich dachte, ich kann nichts tun, um meine Situation zu ändern, weil ich so ausgeliefert bin. Und genau diesen Irrtum wolltest du in die Heilung bringen. All die Energie, die in der Wut gebunden war, wurde im Prozess der Heilung gewandelt - denn alles ist Energie. Durch den Prozess der Persönlichkeits-Entwicklung geben wir dieser Energie nur eine neue Richtung  - weg von destruktiv hin zu konstruktiv.

 

Diese konstruktive Kraft, die du so gut gehütet hast, steht mir jetzt zur Verfügung, weil ich dich, liebe Wut, zurück geholt habe. Ich fühle nun, wie viel Energie ich habe, um die Dinge in meinem Leben zu ändern. Genauso viel Ladung wie in der Wut steckte, steckt jetzt in dem inneren Antrieb, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Uneingeschränkt. Es geht dann sogar noch weiter: Inzwischen helfe ich auch anderen Menschen dabei, ihre destruktiven Muster in etwas Konstruktives zu wandeln. Ich unterstütze sie dabei, sich den äußeren Umständen ausgeliefert zu fühlen, sondern sie über die Arbeit im Innen selbst zu beeinflussen. Vom Überleben zum Leben. 

 

Danke, liebe Wut, dass du mir gezeigt hast, wie viel Kraft wirklich in mir steckt. Du darfst jederzeit auf einen Tee vorbeikommen. 

 

In tiefer Verbundenheit,

Deine Vic.


P.S. Danke, dass du bis hier hin gelesen hast. Wie hast du dich beim Lesen gefühlt? Gibt es vielleicht auch bei dir Emotionen, die du immer wieder unterdrückst? Es muss ja nicht Wut sein. Vielleicht ist es Trauer, Einsamkeit oder Angst. In dem du diese Emotionen unterdrückst, nimmst du dir jedoch die Chance, deine Gabe zu ent-decken, die sich darunter versteckt. Diese Gabe kann dir helfen dein Leben bunter, glücklicher und zufriedener zu machen.

 

Wenn du den ersten Schritt machen möchtest, um diese Seelengabe, dieses Talent, diese Stärke wieder für dich und dein Leben zu nutzen, lerne die Seelenhaus Methode kennen. Über die geführten Bild-Meditation deckst du unterdrückte Emotionen aus und bringst sie in die Heilung. 

 

Du hast am 20. & 21. Juli 2019 bei einem Intensiv-Wochenende in München die Chance, diese Art der Mediation mit der Seelenhaus Methode kennen und anwenden zu lernen. Sei bei diesem Seelenhaus Basisseminar dabei und nimm dein Leben in die Hand. Es lohnt sich. 

 

Mehr Informationen zum Seelenhaus Basisseminar in München findest du hier.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0